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Industrie 4.0 und Städte 2.0 – Stadt der Zukunft

Industrie 4.0

Stadt der Zukunft | Quelle: Resolution Media

Industrie 4.0 und Städte 2.0 – totale Vernetzung und Big Data

In unserer ersten Ausgabe des Real Time Marketing Kompass vor zwei Jahren, haben wir die Auswirkungen von Echtzeit Phänomenen in den Kontext der sogenannten Kondratjew-Zyklen gestellt: „lange ‚Wellen“ in der Ökonomie, die der Weltwirtschaft alle paar Jahrzehnte große nachhaltige Schübe verleiht.

Damals war der Begriff Industrie 4.0 noch nicht sehr geläufig. Tatsächlich geht es aber auch bei diesem Terminus um genau jenen Aspekt. Die Vier steht für den vierten Paradigmenwechsel in der Fertigung von Gütern. Für den ersten großen Energieschub – im wahrsten Sinne des Wortes – sorgte die Dampfmaschine vor rund 150 Jahren. In der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts brachte das Fließband weitere deutliche Produktivitätssteigerungen. Und ab den 60er Jahren war es die Computertechnik, die den bis dahin letzten großen Wandel mit nicht nur produktionstechnischen, sondern auch gesellschaftlichen und sozialen Auswirkungen, bewirkte.

Was macht 4.0 nun konkret aus?

Was bei 1.0 – 3.0 an jeweils einem Begriff festgemacht wurde, waren tatsächlich mehrere zusammenhängende Veränderungen. Mit der Dampfmaschine zum Beispiel gingen deutlich größere Arbeitsstätten einher, die eine neue Art von Logistik und Mechanik mit sich brachten. Man denke nur an die Unzahl von Lederbändern und Kurbelwellen, die in der Werkshalle die Kraft der Dampfmaschine auf die Maschinen übertrugen.

So sind es auch bei dem, was wir als Industrie 4.0 bezeichnen, mehrere, zusammenhängende Phänomene: Sensorik, Internet of Things, Algorithmen, Machine learning, dezentrale Selbststeuerung der Systeme, Vernetzung der Wertschöpfungskette, 3D-Druck und Big Data. Die technische Ausstattung und die damit verbundenen Investitionen sind nicht die maßgebliche Herausforderung, vor der die Unternehmen stehen. Vielmehr erfordert die digitale Vernetzung der Fabrikation mit Nachfragern und Lieferanten, ein ganz anderes Selbstverständnis der Unternehmen. Wer seit Jahrzehnten als Fertigungsunternehmen agiert hat, muss nachvollziehbarerweise erst einmal einen kulturellen Wandel verarbeiten und auf sich anwenden, wenn „fertig“ nur noch ein relativer Begriff in der echtzeit-vernetzten flexiblen Herstellung ist. Die Industrieunternehmen müssen vielmehr in Software, als in Hardware denken. „Software frisst die Welt auf“, hat Marc Andreessen es auf den Punkt gebracht. Dynamische Produktionszyklen, hohe Flexibilität und individualisierte Produkte sowie das intensive Einbeziehen der Nachfrager führen dazu, dass die Industrie zunehmend einen Dienstleistungscharakter erhält.

Die deutsche Industrie, die in den letzten Jahrzehnten global stets wettbewerbsfähig und in vielen Nischen Weltmarktführer war, hat sich an die Veränderungen von 1.0, 2.0 und 3.0 jeweils sehr gut angepasst. Ob die vierte industrielle Revolution in Deutschland verschlafen wird, wie vielfach zu lesen ist, bleibt abzuwarten. Dass laut einer Umfrage von CSC unter deutschen Unternehmen 40% noch nichts von Industrie 4.0 gehört haben, sollte aber auf jeden Fall alarmieren.

Alte Städte werden „smarter“

„Stadt der Zukunft – Zukunft der Stadt“ – unter diesem Motto fand Anfang Juli 2015 ein Stadtentwicklungskongress für Kommunen, Unternehmen, Wissenschaft und Gesellschaft in Stuttgart statt. Ina Schieferdecker, die Leiterin des Berliner Fokus-Instituts der Fraunhofer-Gesellschaft, machte dort eine interessante Aussage: „Die Städte steuern wir heute im Blindflug“. Sie untermauerte die Aussage mit einem Beispiel aus Berlin. Sie wollte von den dortigen Behörden wissen, wie die unterschiedlichen Verkehrsträger in der Stadt genutzt werden. Die letzten verfügbaren Daten stammten aus dem Jahr 2008. Die Zahlen für 2012 seien noch in Arbeit.

Datenerhebungen in Vierjahresintervallen, mit Datenaufarbeitungszeiten von über zwei Jahren. Das ist weit entfernt von Echtzeit. Dabei versicherte Rudolf Martin Siegers, Deutschlandchef des Technologiekonzerns Siemens, auf der selben Veranstaltung, dass sensorgesteuerte Leitzentralen den Verkehrsfluss um zwanzig Prozent verbessern könnten.

Bei den Themen Energie, Mobilität und dem Management von Gebäuden könne moderne Technologie den Städten erlauben, deutlich effizienter zu werden. Die angestrebte Energiewende der Bundesregierung würde sogar erst durch Stromnetze möglich, die in Echtzeit vom Bedarf gesteuert werden. Unsere Energie-Infrastrukturen sind historisch gewachsen und in den Ursprüngen zentralistisch konzeptioniert. Man denke an die großen Kohle- und Atomkraftwerk-Anlagen. Gerade in den letzten Jahrzehnten haben die erneuerbaren Energiequellen allerdings eine gänzlich neue Realität geschaffen. Bereits ein Viertel des Stroms wird über Wind, Photovoltaik, Biomasse und Wasserkraft generiert.

Das hat sich eine Firma wie Nextkraftwerke (siehe RTM Kompass 2014) zu Nutzen gemacht, die für die Vernetzung der Systeme und einen Ausgleich von Angebot und Nachfrage in Echtzeit sorgen. Diese Art von Lösungen werden wir zunehmend für Verkehrssysteme, Entsorgung, Recycling, Post- und Paketzustellung, Sicherheit etc sehen.

Weiterführende Links

Sascha Jansen, CDO Omnicom Media Group Germany

Industrie 4.0

(Quelle: Real Time Marketing Kompass 2015/16)